OSTFRIESENBLUT
Uraufführung
"Bei der Verfilmung meiner Romane bin ich immer ganz nah dran. Ich lese die Drehbücher, schreibe dazu Gutachten, rede mit Produzent, Producer und Redaktion. Natürlich mit der Regie und den Schauspielern. Den Locationscouts und den Szenenbildnern. Ich bin an vielen Drehtagen am Set, schaue mir Roh- und Feinschnitte an.
Jetzt wurde mein Roman „Ostfriesenblut“ von Ralf Knapp fürs Theater adaptiert. Er ist ein erfahrener Schauspieler, Regisseur und Direktor des Bremer Kriminaltheaters. Ich habe mich nicht eingemischt, sondern den Künstlern freien Raum gegeben, ihre Vision meines Romans auf die Bühne zu bringen. Ich kannte niemanden von der Truppe persönlich.
Nun war ich in Bremen Walle und habe es mir angesehen. Ja, ich war verdammt aufgeregt. Was, wenn sie alles vergeigt hätten? Den Roman haben fast eine Million Menschen gelesen. Die Verfilmung war ein großer Publikumserfolg ausgestrahlt in 32 Ländern. Der Kriminalroman erzählt von „Schwarzer Pädagogik“ und verletzten Seelen. Beim Einlesen des Hörbuchs kämpfte ich manchmal mit einem Klos im Hals.
Das Buch spielt an vielen verschiedenen Orten. Am Deich. In der Polizeiinspektion. In Ann-Kathrins-Haus, ja in ihrem Schlafzimmer. In einer alten Ziegelei. In einem Altersheim. Für die Bühne wurde eine Simultan Lösung gefunden. Kein Schnick-Schnack. Ein minimalistisches Bühnenbild gibt der Phantasie Raum und eröffnet Spielräume. Ganz im Vordergrund steht hier die schauspielerische Leistung.
Die Inszenierung bewegt sich ganz nah am Roman, was mich natürlich freut. Andrea zum Felde hat mich als Ann Kathrin Klaasen vom ersten Moment an überzeugt. Christian Aumer als Frank Weller zeigt ihn in seiner Wut und holt dann die liebenswerten Seiten hervor. Hendrik Heiler setzt als Rupert spitze Kontrapunkte. Faszinierend spielt Janina Zamani vier Rollen. Man sieht jedes Mal einen anderen Menschen. Jarno Stiddien als Täter mäandert zwischen Abgründen und Wahnsinn.
In der Pause hörte ich Sätze von Zuschauern wie: „Ich hatte Gänsehaut.“ Und: „Das ist ja total intensiv.“ Am Ende der Vorstellung konnte ich nicht anders, ich ging auf die Bühne und sagte den Schauspielern, dass ich sie zum Niederknien gut fand. Genau das tat ich dann. Ich verbeugte mich nicht einfach, ich kniete nieder und sah in bewegte Gesichter.
Die Zuschauer jubelten. Dann bedankten sich die Schauspieler beim „Vater des Ganzen“ indem sie vor mir niederknieten. Das Ganze hatte nichts mit Unterwerfung zu tun oder Lobhudelei, es war ein großer Moment gegenseitiger Wertschätzung von Künstlern. Ja klar, sind da auch Tränen geflossen. Glückstränen."




