bremer kriminal theater
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             Das SPANNENDSTE Theater Bremens...

 

Friedrich Dürrenmatt

ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG

oder

DAS VERSPRECHEN


Eigentlich hat Matthäi seinen Polizeidienst bereits quittiert und bereitet sich vor, seine Karriere mit einer noblen Berateraufgabe in Jordanien ausklingen zu lassen, als ersich durch den Mord an einem kleinen Mädchen gezwungen sieht, seine Pläne zu ändern. Das heißt, eigentlich zwingt ihn nicht der Mord, sondern sein eigener Verstoß gegen die oberste Regel in der Polizistenausbildung: niemals einem Angehörigen des Opfers versprechen, man werde den Täter schon überführen und zur Rechenschaft ziehen...

 

So nimmt er die Verfolgung des Serientäters auf und verbeißt sich mehr und mehr in den Fall, bis der Fall sich in ihn verbeißt.


Zunächst schrieb Dürrenmatt das Drehbuch für den Film "Es geschah am hellichten Tag", der mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe in den Hauptrollen zu einem Klassiker der Filmgeschichte avancierte. Dürrenmatt selbst haderte mit dem Filmprojekt und schrieb noch im selben Jahr den Roman "Das Versprechen", der - zumindest was das Ende betrifft - eine Art Gegenentwurf darstellt.


Mit: Dirk Böhling, Denis Fischer, Ralf Knapp, Meike Lehmann, Sabine Urban
Bühnenfassung: Dirk Böhling
Regie: Dirk Böhling / Ralf Knapp
Premiere am 09.02.2024


Wie eine Mission zur Obsession wird (Kreiszeitung)

Die Geschichte eines Konflikts, die Geschichte eines Scheiterns: Dürrenmatt am bremer kriminal theater. Fesselnd.


Die einen kennen die Story als Dürrenmatt-Klassiker „Das Versprechen“, andere als Rühmann-Film „Es geschah am hellichten Tag“. Die Geschichte vom Kommissar, der einen Kindermörder überführen will, ist hinlänglich bekannt und birgt für das Premierenpublikum kaum eine Überraschung. Wohl aber der Fokus der Bühnenversion von Dirk Böhling Die schlanke, auf knapp 80 Minuten Spielzeit komprimierte Fassung setzt ganz andere Schwerpunkte als ihre gewichtigen Vorbilder, und das ist gut so.


Ralf Knapp gibt den Kommissar kantig, nachdenklich, tragisch. Eigentlich ist er schon auf dem Absprung nach Jordanien, da schlägt ein Serienmörder zum dritten Mal zu: Die kleine Gritli wird in einem Wald ermordet, am helllichten Tag.  Das Versprechen gegenüber den Eltern des Mordopfers, den Mörder zu finden – ein fataler Fehler von Matthäi, unprofessionell und nicht einlösbar.

Als Privatier versucht der Kommissar, die Schuld, die er mit seinem Versprechen auf sich geladen hat, durch Lösung des Falls von sich zu laden. Hier setzt die Inszenierung ihren Schwerpunkt: Eindrucksvoll und authentisch gibt Knapp den Scheiternden, der vor kaum einem Mittel zurückschreckt, um den Mörder doch noch zu überführen.

Das fesselt die Zuschauer, allen voran einen, der sich „von Berufs wegen“ bestens in die Rolle des Kommissars hineinversetzen kann: Premierenbesucher Axel Petermann, der wohl bekannteste deutsche Profiler, ist bewegt von der dichten Umsetzung eines seiner kriminalistischen Lieblingsstoffe. „Die Zerrissenheit des Kommissars, den Willen, den Eltern Gewissheit und Genugtuung zu verschaffen“, kann der ehemalige Kripo-Beamte nur allzu gut nachvollziehen. „Das Finden des Mörders, die Entlastung, dass das Opfer keine Schuld trifft, aber auch Sanktionierung und Strafe – das ist für die Angehörigen oft elementar.“

Umso verständlicher sei die Zusicherung des Kommissars, an deren Nichteinlösung er später zerbricht: „Das war schon sehr authentisch dargestellt“, so Petermann „großartig, wie hier mit einfachen Mitteln und wenigen Schauspielern ein so großes Thema kreativ gezeigt wurde“ – und spricht damit wohl den meisten Zuschauern aus der Seele.